Implantate sind grundsätzlich keine Alternative zu Hörgeräten.
Ein Implantat kommt gewöhnlich dann in Frage, wenn mit konventionellen Hörgeräten und deren Zubehör alle Möglichkeiten ausgereizt wurden und dennoch kein zufriedenstellendes Hörergebnis erreicht wurde oder kein konventionelles Hörgerät möglich ist.
Jedes Implantat hat seinen eigenen Indikationsbereich den das Gehör erfüllen muss. Damit es überhaupt in Frage kommt, benötigt es stets genaue Abklärungen im Vorfeld durch Ihre Akustikerin, Ihren Ohrenarzt sowie allenfalls durch eine Klinik.
Auch die Kostenträger werden ermittelt, sei es die Krankenkasse, eine Sozialversicherung oder andere.
Einige Implantate lassen sich zunächst unkompliziert Probetragen. Es gibt verschiedene Arten von Implantaten.
Die persönliche Beratung sowie eine genaue Untersuchung Ihres Gehörs und Analyse Ihrer Hörprobleme sind für eine allfällige Implantat-Versorgung unerlässlich.
Knochenleitungs-Implantate
Das Knochenleitungs-Hörsystem ist eine sichere und zuverlässige Lösung für Menschen, die eine Hörverstärkung benötigen, aber keine Hörgeräte tragen können oder wollen.
Bei chronischen Mittelohr- und Gehörgangentzündungen ist es eine sehr gute Lösungsmöglichkeit, ebenso bei Ohrfehlbildungen.
Darüber hinaus ist BAHA eine effektive Behandlungsmethode für einseitig ertaubte Personen (unilateral deafness oder SSD «single sided deafness»).
Bei einem Knochenleitungs-Hörsystem wird der Klang vom Hörverstärker über die hinter dem Ohr liegende Schädelknochen zum funktionierenden Innenohr geleitet.
Es spielt daher keine Rolle, ob der Gehörgang nicht angelegt oder das Mittelohr nicht intakt ist.
Ein Knochenleitungs-Hörsystem lässt sich einfach mit einem Bügel oder einem Stirnband testen, bevor eine definitive Entscheidung getroffen wird.
Der Hörladen klärt zusammen mit Ihrem Ohrenarzt ab, ob ein knochenleitungs-Hörsystem für Sie in Frage kommt.
MED-EL Bonebridge Samba
Wie das Bonebridge-System der Firma MED-EL im Alltag funktioniert, zeigt das folgende Video des Herstellers:
Mittelohr-Implantate
Mittelohrimplantate sind teilimplantierbare elektromagnetische Hörsysteme, die aus einem äusseren und einem implantierten Teil bestehen.
Der äussere Teil beinhaltet den Audioprozessor, welcher über der Kopfhaut getragen wird. Dieser besitzt ein Mikrofon, Elektronik und Batterie.
Das über das Mikrofon aufgenommene Schallsignal wird im Audioprozessor bearbeitet und transkutan zum implantierten Empfänger übertragen.
Die Ankoppelung des Stimulators erfolgt an der intakten und mobilen Gehörknöchelchenkette. Das Ausgangsglied, der Floating Mass Transducer (FMT) setzt die elektrische Energie in Vibrationen um.
Für die Implantation kommen Personen in Frage, bei denen aus medizinischen und/oder audiologischen Gründen eine Versorgung mit konventionellen Hörgeräten nicht mehr möglich ist.
Eine intakte und mobile Gehörknöchelchenkette und eine normale Ventilation des Mittelohres sind unabdingbare Voraussetzungen.
Medizinische Indikationen
- Rezidivierende oder chronische Otitis externa
- Nässendes Gehörgangsexzem
- Okklusionseffekte beim Tragen von Hörgeräten
Die Implantation ist erst indiziert, wenn Modifikationen der konventionellen Hörgeräte inkl. Otoplastiken ausgeschöpft sind.
Audiologische Indikationen
Die vom jeweiligen Hersteller empfohlenen audiometrischen Kriterien müssen strikte berücksichtigt werden.
Wird trotz optimierter (binauraler) Hörgeräteversorgung kein ausreichendes Sprachverständnis im Störgeräusch erreicht, kann ein Mittelohrimplantat indiziert sein.
Mittelohrimplantate können nicht Probe getragen werden.
MED-EL Soundbridge
Wie das Soundbridge-Mittelohrimplantat der Firma MED-EL funktioniert, zeigt das folgende Video des Herstellers:
Cochlea-Implantate
Wenn eine hochgradige Schwerhörigkeit nicht mehr befriedigend mit Hörgeräten kompensiert wird, können Cochlea-Implantate (CI) eine entscheidende Verbesserung bringen.
Die Elektroden des CI werden in das Innenohr eingeführt und regen dort die Hörnervenzellen direkt an.
Nach sorgfältiger Auswertung aller Untersuchungen und nach ausführlicher Information über den zu erwartenden Rehabilitationsprozess, kann die Entscheidung zur Implantation getroffen werden.
Kontakte zu CI-Trägern und/oder deren Eltern können dabei sehr hilfreich sein.
Die Operation erfolgt in Narkose und dauert rund 2 Stunden. Nach 1-2 Tagen kann die versorgungsempfangende Person mit entsprechender Betreuung das Spital verlassen.
Die ersten Höreindrücke mit dem CI sind ungewohnt und sehr vielfältig. Mit laufender Anpassung der Einstellungen des Sprachprozessors werden Geräusche und Sprache zunehmend vertrauter und verständlicher.
Spätertaubte Erwachsene finden rasch den Wiedereinstieg ins Berufsleben und integrieren sich wieder in die hörende Welt.
Kinder mit einem CI werden nicht immer in Schwerhörigenschulen betreut, sondern können mit einem Ergänzungsangebot auch in Regelschulen integriert werden.
Das Cochlea Implantat (CI) besteht aus einem unter der Haut getragenen und mittels einer Operation eingesetzten inneren Teil (mehrkanaliger Elektrodenträger) und dem aussen über einen Magneten getragenen Sprachprozessor.
Kandidaten für die Implantation sind
- Gehörlose oder hochgradig schwerhörige Kleinkinder
- Spätertaubte, resthörige Erwachsene
- Kinder und Erwachsene, die nach einer Erkrankung beidseits ertaubt sind (z.B. nach Hirnhautentzündung: ein "CI-Notfall" !)
Voraussetzung ist, dass konventionelle Hochleistungshörgeräte keinen ausreichenden Nutzen mehr erbringen und der Hörnerv intakt ist.
Ein Cochlea-Implantat kann nicht Probegetragen werden.
MED-EL Cochlea-Implantat
Wie ein Cochlea-Implantat funktioniert, zeigt das folgende Video der Firma MED-EL:
Persönliche Beratung
Die persönliche Beratung sowie eine genaue Untersuchung Ihres Gehörs sind für eine allfällige Implantat-Versorgung unerlässlich.