Was ist Pädakustik
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen — das gilt besonders auch für das Gehör und die Ohren.
Es gibt viele Gründe für Hörprobleme, je früher sie erkannt werden, umso grössere Chancen erhält ihr Kind für eine bestmögliche Kompensation dieser Schwäche. Die Messung einer Schwerhörigkeit oder von Ohrproblemen ist schon ab dem Säuglingsalter möglich, das heisst bereits vor dem Beginn des aktiven Sprecherlernens.
Wenn Ihr Kind gut hört, wird es im Kindergarten und der Schule dem Unterricht besser folgen können, eine deutlichere Aussprache erlernen und sich aktiver an Gesprächen und sozialen Kontakten beteiligen können.
Heutzutage wird in der Schweiz in der Regel in den ersten Tagen nach der Geburt im Spital ein sogenanntes Neugeborenen-Hörscreening durchgeführt.
Häufig treten Hörprobleme jedoch erst im Laufe der Kindheit auf, sei es durch Krankheit, Vererbung, Mittelohrproblematiken oder andere Einflüsse.
Wann findet die Hörentwicklung statt?
Die wichtigsten Entwicklungsschritte im Hören finden in den ersten drei Lebensjahren statt. Was in dieser Phase versäumt wird, lässt sich später nur schwer nachholen.
Wenn Sie, Angehörige oder eine Lehrperson den Verdacht haben, dass eine Hörminderung vorliegt, zögern Sie nicht — nehmen Sie Kontakt auf.
Heike Birnbaum, dipl. Pädakustikerin AHAKI, betreut Kinder und deren Angehörige, die mit einer Hörveränderung konfrontiert sind.
Hörtest und Beratung
Hörtests
Ein zuverlässiger Hörtest ist in der Regel bereits bei Säuglingen möglich. Je nach Alter und Mitarbeit des Kindes kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz.
Dazu gehören Verhaltens-Reaktions-Messungen, Spiel- und Ablenkaudiometrie sowie verschiedene objektive Messverfahren.
Welche Messungen sinnvoll sind, wie sie ablaufen und was die Ergebnisse bedeuten — das wird Ihnen die Pädakustikerin im Gespräch erklären.
Fragen Sie auch Ihren Ohrenarzt, wie Sie Ihr Kind am besten auf die geplanten Messungen vorbereiten können.
Kinder sind nicht immer kooperativ — manchmal ist es sinnvoll, einen zweiten Termin zu vereinbaren. Das ist kein Problem.
Auch Gehöre, die schwanken, oder Mittelohrveränderungen werden regelmässig überprüft und begleitet.
Der Hörladen führt regelmässig Gehörabklärungen für den logopädischen Dienst durch.
Beratung
Persönliche Beratung steht im Mittelpunkt — damit Sie als Eltern und auch Ihr Kind die Zusammenhänge verstehen und informiert entscheiden können.
Im Hörladen stehen Hörgeräte unterschiedlicher Marken und Technologiestufen zur Auswahl — von soliden Grundversorgungen bis zu aktuellen Hochleistungsgeräten.
Dabei wird nicht nur der aktuelle Stand berücksichtigt, sondern auch die längerfristige Perspektive — denn die Versorgung begleitet Kinder und Jugendliche oft über viele Jahre.
Neben den Hörgeräten gibt es gerade für Jugendliche diverses Zubehör und Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern.
Sämtliche Beratung, Anpassung, Otoplastiken und Zubehör werden von Heike Birnbaum, dipl. Pädakustikerin AHAKI, persönlich betreut.
Unterscheidet sich der Hörtest von Kindern zu denen von Erwachsenen?
Hörtests bei Kindern und Jugendlichen sowie die Beratung bei der Gerätewahl unterscheiden sich erheblich von denen Erwachsener.
In der Schweiz ist für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr vorgeschrieben, dass Hörgeräte durch eine Pädakustikerin oder einen Pädakustiker AHAKI angepasst werden.
Hörgeräte und Implantate
Gibt es spezielle Hörgeräte für Kinder?
Für Kinder und Jugendliche wurden von verschiedenen Herstellern besondere Hörgeräte, Zubehör und Otoplastiken entwickelt, die auf ihre speziellen Bedürfnisse zugeschnitten sind.
Einerseits wird Ihr Kind das Hörgerät jeden Tag tragen und da Kinder bunte Farben mögen, wird es sich mit einem Hörgerät, das es selber ausgesucht hat, leichter identifizieren können.
Hörgeräte
Hörgeräte für Säuglinge, Kinder und Jugendliche müssen besonderen Anforderungen an Robustheit, Sicherheit und akustische Leistung genügen.
Im Hörladen finden Sie ausschliesslich Hörgeräte von renommierten Herstellern — mit sichergestellter Reparatur oder Ersatz im Defektfall.
Da sich Modelle und Technologien laufend weiterentwickeln, erfolgt die Beratung immer persönlich und mit aktuellem Stand.
Implantate
Je nach Hörverlust kann ein teilimplantierbares Hörsystem die beste Wahl für Ihr Kind sein. Abgesehen von den klassischen Hörgeräten gibt es verschiedene Arten von Implantaten.
Wir beraten Sie gerne persönlich, welche Möglichkeiten es für ihr Kind in dieser Hinsicht gibt.
Massgefertigte Otoplastik
Selbst das beste Hörgerät kann scheitern, wenn die Ankopplung an das Ohr nicht gleichmässig sitzt. Gerade bei Kindern ist die Wahl von Material, Bauform und Eigenschaften der Otoplastik entscheidend für Wohlbefinden, Rückkopplungsunterdrückung und Hörergebnis.
Da Kinderohren wachsen, ist es regelmässig nötig, eine neue Ohrabformung zu nehmen und entsprechend eine neue Otoplastik anfertigen zu lassen.
Zubehör und Hilfsmittel
Da Schulkinder heute rege Smartphones, Tablets und andere Geräte nutzen, ist die Kompatibilität der Hörgeräte damit wichtig. Dank Bluetooth-Anbindung und intelligentem Zubehör lässt sich das heute gut kombinieren.
Für den Schulunterricht wurden speziell FM-Anlagen entwickelt — sie übertragen die Stimme der Lehrperson direkt in die Hörgeräte des Kindes, auch über grössere Distanzen und in lauter Umgebung.
Zubehör wie spezielle Wecker, Lichtsignalanlagen oder Telefone ergänzen die Versorgung im Alltag. Viele Zubehör-Produkte können über die IV bezogen werden. Im Hörladen stehen diese gerne zur Ansicht und Probe zur Verfügung.
Ein starkes Netzwerk für Ihr Kind
Was bringt eine Hörminderung bei einem Kind mit sich?
Eine Hörminderung und die daraus folgenden Therapien und Versorgungen sind oft aufwendig und herausfordernd für das Kind und seine Angehörigen.
Es hilft zu wissen, dass ein starkes Netzwerk von Fachpersonen zur Seite steht, die Sie und Ihr Kind unterstützen.
Das Thema begleitet Kinder mit Hörminderung in den meisten Fällen über viele Jahre — verlässliche Ansprechpartner sind deshalb besonders wertvoll.
Eltern
Sie, die Eltern, sind für viele Jahre die wichtigsten Bezugspersonen Ihres Kindes.
Sie haben die Möglichkeit Ihrem Kind die Liebe und Unterstützung zu geben die es braucht, um zu einem selbstbewussten Erwachsenen zu werden.
Eine Hörminderung zu akzeptieren ist nicht leicht. Sie ist nicht sichtbar und wird deshalb von anderen oft nicht ernst genommen oder missverstanden.
Sollte Ihr Kind von einem Hörgerät, einem Cochlea-Implantat, einer FM-Anlage oder einem anderen Hilfsmittel profitieren, ist es wichtig, dass Ihr Kind diese Hilfsmittel als normal und selbstverständlich wahrnimmt.
Für Ihr Kind wird es wichtig sein, dass es bei Ihnen Rückhalt findet und es sich nicht für seine Hörminderung schämen muss.
Je mehr sie als Eltern diese Haltung selber verinnerlichen und leben, umso selbstverständlicher wird es für Ihr Kind sein.
Pädakustikerin
Die Pädakustikerin ist zuständig für alles was die technische Seite einer Hörlösung betrifft, aber auch für die Beratung der Eltern und des Kindes bezüglich der optimalen Hörgeräte-Versorgung.
Sie erfahren, welche Hörgeräte, welches Zubehör und welche weiteren Hilfsmittel für Ihr Kind sinnvoll sind.
Eine Hörgeräteanpassung erstreckt sich bei Kinder oft über einen Zeitraum von mehreren Wochen bis Monaten. Dabei werden Hörgeräte-Einstellungen schrittweise angepasst, bis das optimale Ergebnis erreicht ist.
Es ist wichtig, sich diese Zeit zu nehmen, auch wenn es einige Termine sind. So kann sichergestellt werden, dass Ihr Kind bestmöglich versorgt ist.
Nach Abschluss der Anpassung werden Sie und Ihr Kind regelmässig zu Nachkontrollen aufgeboten. Dabei wird überprüft, ob die Hörgeräte noch korrekt eingestellt sind und ob allfällige Anpassungen vorgenommen werden müssen.
Die Pädakustikerin hilft Ihnen auch bei der Anmeldung für die Kostenübernahme durch die IV und andere Sozialversicherungen.
Audiopädagogischer Dienst
Der Audiopädagogische Dienst (APD) ist kantonal geregelt und unterstützt Betroffene und Ratsuchende im Umgang mit einer Hörbeeinträchtigung und dem Hörgerät oder Cochlea-Implantat.
Diese Unterstützung ist eine sonderpädagogische Massnahme und wird in Form von Beratungs- und/oder Förderangeboten erbracht.
In der vorschulischen Frühförderung wird die Entwicklung des Kindes im sprachlichen, kognitiven, sozialen und emotionalen Bereich durch gezielte Massnahmen der Frühförderung unterstützt.
Für Schulkinder und Jugendliche stehen die Begleitung und Förderung sowie die Beratung von Eltern, Lehrpersonen und weiteren Fachpersonen im Vordergrund.
Der Audiopädagogische Dienst ist ein wichtiges Element in der Hörgeräteversorgung. Zögern Sie nicht, dessen Leistungen in Anspruch zu nehmen.
Ohrenarzt
Der Ohrenarzt oder die ORL Klinik wird viele Messungen des Gehörs Ihres Kindes machen. Wichtig ist, dass Sie dem Ohrenarzt alle relevanten Informationen zur Verfügung stellen.
Der Arzt wird in der Regel eine Diagnose erstellen und auch eine Expertise für die IV oder eine andere Versicherung schreiben.
In manchen Fällen kann auch ein operativer Eingriff sinnvoll und notwendig sein, sei es das Einlegen von Paukenröhrchen, ein Cochlea-Implantat oder ein anderer Eingriff.
Informieren Sie stets auch Ihren Kinderarzt.
Logopädie
Die logopädische Therapie unterstützt Kinder und Jugendliche im Vorschul- und Schulalter mit Störungen in den Bereichen Sprache, Sprechen, Stimme, Redefluss sowie Schlucken.
Gerade Kinder mit einem starken Hörverlust haben oft trotz bestmöglicher technischer Hörgeräte-Versorgung Probleme mit der Sprachentwicklung und profitieren von einer logopädischen Therapie.
Schule
Die Spielgruppe, der Kindergarten, die Schule und später die Berufsschule oder Universität spielen eine wichtige Rolle in der Entwicklung Ihres Kindes.
Sehr viel Wissen wird über die Lautsprache vermittelt - die Lehrer und die Mitschüler gut zu Hören ist daher enorm wichtig für Ihr Kind.
Es ist wichtig, dass ein Hörgerät, und dessen Zubehör wie zum Beispiel die FM Anlage, in der Schule von allen Beteiligten akzeptiert und eingesetzt wird.
Dafür muss vor allem eine Akzeptanz und das Verständnis um die Hörproblemlatik bei den Lehrern vorhanden sein.
Manchmal kann es die beste Lösung sein, ihr Kind in eine Sprachheilschule oder heilpädagogische Sonderschule mit dem Schwerpunkt Hören zu schicken, zumindest für eine gewisse Zeit.
Versicherungen
Für eine Hörgeräte-Versorgung bei Kindern und Jugendlichen, aber auch für die begleitenden therapeutischen Massnahmen ist in erster Linie die Invalidenversicherung (IV) zuständig.
In besonderen Fällen kann jedoch auch die Krankenkasse oder eine andere Versicherung zuständig sein.
Die Zuständigkeit wird gewöhnlich vor Beginn der Anpassung abgeklärt — oder bei dringendem Bedarf auch während der Anpassung.
Seit dem 01.07.2011 gelten von Seiten der IV bestimmte maximale Kostenbeteiligungen. Die Versorgung wird so weit wie möglich innerhalb dieser Limite geplant.
Wenn Sie teurere Hörgeräte für Ihr Kind wünschen, wird der Eigenanteil transparent besprochen. Die Details der IV-Vorgaben werden zu Beginn der Anpassung geklärt.
Weitere Therapien
Da eine Schwerhörigkeit manchmal nicht die einzige Schwierigkeit für Ihr Kind darstellt, sondern noch weitere Herausforderungen wie das Sehen, die Motorik oder andere Entwicklungsverzögerungen vorhanden sein können, ist es wichtig abzuwägen, welche Therapien zu welchem Zeitpunkt Vorrang haben.
Damit ihr Kind zwischen den Therapien auch genug Zeit hat um ganz Kind zu sein und Sie als Eltern Ihr Kind auch entspannt geniessen können.
Termin für Ihr Kind
Im Hörladen ist Zeit für Ihr Kind — auch für Geschwister, Fragen und Pausen.